Offenes Investmentvermögen

Offenes Investmentvermögen

Im Jahr 1772 gingen mehrere Londoner Banken in Konkurs. In der Folge kam es zu einem Börsencrash in England, Schottland und den Niederlanden. Ein holländischer Kaufmann, der in der Krise viel Geld verlor, zog daraus seine Lehren. Bereits zwei Jahre später legte er ein Finanzprodukt auf, welches Privatanlegern ermöglichte, mit geringem Einstiegskapital in unterschiedlichen Märkten breit gestreut Geld anzulegen: den Investmentfonds.

Im Unterschied zu sogenannten Indexfonds (ETFs) werden offene Fonds an dieser Stelle als aktiv gemanagt verstanden. Sie gehören in Deutschland seit vielen Jahren zu den beliebtesten Anlageformen – mittlerweile sind weit mehr als 8.000 zum Vertrieb zugelassen! Eine unbegrenzte Anzahl von Anlegern kann eine unbegrenzte Menge von Geld investieren, die erworbenen Anteile sind täglich handelbar. Aufgrund dieser Eigenschaften werden diese Fonds als „offen“ bezeichnet. Man unterscheidet folgende Arten:

  • Aktienfonds

Ein Aktienfonds investiert überwiegend in Aktien von Unternehmen. Mit dem Erwerb des Wertpapiers „Aktie“ beteiligen sich die Anleger an einem Unternehmen. Über einen Aktienfonds tun sie dies bei einer Vielzahl von Unternehmen, profitieren von deren Wertsteigerungen (Kursgewinne bei Verkauf) und Erträgen (Dividendenzahlungen während der Dauer der Investition). Gleichzeitig sind sie aber auch am Risiko, sprich an den Verlusten beteiligt. Im Unterschied zur Investition in nur eine Aktie, also in nur ein einziges Unternehmen, liegt der Vorteil des Aktienfonds somit in der breiten Streuung und der damit verbundenen Risikoreduktion – der Anleger macht sich nicht abhängig von der Wertentwicklung einer einzigen Aktie.

Aktienfonds investieren nach unterschiedlichen Kriterien, beispielsweise länder- oder branchenbezogen. Mit dem Ziel, langfristig Kapitalwachstum aufzubauen, eignet sich diese Anlageklasse besonders für die Realisierung langfristig ausgelegter Ziele, beispielsweise dem Immobilienerwerb, der Ausbildungsvorsorge für Kinder oder die eigene Altersvorsorge.

  • Investitionsgründe, Risiken und Zielgruppen:
  • professionelles Fonds-, Portfolio- und Risikomanagement bei der Auswahl der chancenreichsten Unternehmen,
  • breite Streuung über verschiedene Themen: Länder, Regionen, Branchen, Unternehmensgrößen etc., somit professionelle Risikoreduktion,
  • Aktienerwerb bedeutet, von den Gewinnen der betreffenden Unternehmen zu profitieren, aber auch deren Verluste mit zu tragen,
  • Anleger in Aktienfonds besitzen eine mittlere, langfristig kalkulierbare Risikobereitschaft. Sie haben daher einen längerfristigen Anlagehorizont und möchten von der Wertsteigerung der Unternehmen (Kursgewinne) als auch von deren Ertragssituation (Dividende) profitieren.
  • Rentenfonds

Ein Rentenfonds investiert überwiegend in Anleihen und andere Schuldverschreibungen. Durch den Erwerb des Wertpapiers „Anleihe“ leiht der Investor einem Staat oder einem Unternehmen (Emittent) Kapital, wofür er einen zuvor festgelegten Zins in regelmäßigen Auszahlungen erhält. Der Rentenfonds bündelt eine Vielzahl solcher „Geldverleihungen“ in einem Wertpapier. Auch hier steht somit die Risikoreduktion durch breite Streuung im Vordergrund. Geld gegen Zinsen zu verleihen, bedeutet immer die Abhängigkeit vom aktuellen Zinsniveau. Da dieses im Moment sehr niedrig ausfällt, können von Rentenfonds derzeit keine überdurchschnittlichen Wertzuwächse erwartet werden. Neben der Generierung regelmäßiger Einnahmen eignen sich Rentenfonds somit eher als ein Instrument des Kapitalerhalts nach Steuern und Inflation.

  • Investitionsgründe, Risiken und Zielgruppen:
  • sicherheitsorientiertes Investment, insbesondere bei der Investition in Staaten und Unternehmen mit sehr guter Bonität,
  • je besser die Bonität eines Emittenten, desto geringer die Zinszahlung (und umgekehrt!),
  • Anleger in Rentenfonds wollen sicherheitsorientiert regelmäßige Zinserträge erwirtschaften und ihr Kapital nach Steuern und Inflation erhalten; ihr Anlagehorizont ist mittel- bis längerfristig ausgelegt.
  • Gemischte Fonds

Der Anleger eines klassischen Mischfonds investiert sowohl in Aktien als auch in Anleihen. Er verteilt somit die Risiken: Entwickeln sich die Aktienmärkte schwächer, wird diese Situation durch stärkere Rentenmärkte abgefedert; Aktien und Anleihen entwickeln sich meist entgegengesetzt zueinander.

Der Anleger eines sogenannten „Multi-Asset Fonds“ investiert neben Aktien und Anleihen noch in weitere Anlageklassen, um zusätzlich sein Risiko zu reduzieren. Man denke beispielsweise an Rohstoffe, Edelmetalle oder Sachwerte wie Immobilien oder Schiffe (siehe hierzu auch Geschlossenes Investmentvermögen). Der klassische Mischfonds ist von der Entwicklung lediglich zweier Märkte abhängig und somit einem höheren Risiko ausgesetzt; der Multi-Asset Fonds hingegen nutzt eine wesentlich größere Bandbreite an Anlageklassen. Das Fondsvermögen kann somit sehr viel flexibler eingesetzt werden, was die Schwankungen in den Einzelmärkten betrifft.

  • Investitionsgründe, Risiken und Zielgruppen:
  • Ein professionelles Fondsmanagement sorgt für die Auswahl der interessantesten Märkte und der somit chancenreichsten Titel.
  • Dennoch unterliegen Wertpapiere grundsätzlich Kursbewegungen an den Märkten der jeweiligen Anlageklassen; bei globalen Investitionen sind darüber hinaus Währungsrisiken zu beachten.
  • Ein professionelles Risikomanagement sorgt für eine zeitnahe Umschichtung des Fondskapitals, wenn Einzelmärkte sich schwächer entwickeln als andere.
  • Investoren in Multi-Asset Fonds haben einen mittel- bis längerfristigen Anlagehorizont. Sie erwarten trotz unterschiedlicher Marktentwicklungen eine hohe Gesamtertragsstabilität des Portfolios. Die Risikoreduktion wird durch die Verteilung auf viele Anlageklassen erreicht, das Kapital kann bei Schwankungen flexibel umverteilt werden.